Rohkost
Willkommen auf » Leistungskost

Leistungskost

Kolumne von Rohkost Experte und Mountainbiker Stefan Hiene:
Ich werde immer wieder gefragt, wie ich mir meine Leistungsfähigkeit trotz rohköstlicher Ernährung erklären kann?

Ich kann es nicht! Und ich habe bisher auch noch keinen Experten getroffen, der es mir erklären kann. Ich selbst bin kein Experte und ich lege auch keinen Wert darauf als solcher anerkannt zu werden. Ich frage mich auch immer öfter, ob Experten – egal welcher Couleur – bei der Suche nach Antworten überhaupt hilfreich sein können.

Experten sind der Meinung, sie wüssten aufgrund der Summe ihrer persönlichen Erfahrungen, die immer individuell und subjektiv sind, was anderen gut tun muss und sie sind der Meinung, sie wüssten das besser als diejenigen, die es betrifft. Deshalb geben sie dann Ratschläge, von deren Umsetzung angeblich unser Wohlergehen abhängt.

Ein Freund dagegen behauptet nicht, zu wissen, was gut für mich ist. Selbst wenn er die Erfahrung bereits gemacht hat oder noch macht, ist er sich darüber im Klaren, dass er nicht weiß, was mich erwartet. Er kann mir nur anbieten, mich zu begleiten und mich ermutigen, meinen eigenen Weg zu gehen. Er weiß, dass er diesen Weg nicht für mich gehen kann. Und er weiß, dass er mir lediglich Hinweise geben und seine eigenen Erfahrungen mit mir teilen kann. Gleichzeitig ist er sich bewusst, dass er keine pauschalen Empfehlungen aussprechen kann, da seine Erfahrung nicht auf andere übertragbar sein müssen.

Wer hilft mir mehr – ein Experte oder ein Freund?
Ich möchte mich nicht als Experte, sondern als Freund anbieten. Ich möchte dich als Freund gleichberechtigt und auf einer gemeinsamen Augenhöhe begleiten. Unter Freunden gibt es keine Hierarchie. Es gibt niemanden, der wichtiger ist und niemanden, der dem anderen etwas schuldig ist. Es gibt keine Verpflichtungen. Freundschaft ist gelebte bedingungslose Liebe.
Gleichzeitig verstehe ich aber auch, dass viele Menschen gerne mehr Informationen und vielleicht auch etwas mehr Orientierung hätten, als nur den Hinweis, sie sollten einfach ihrem Herzen folgen. :-)

Aus diesem Grund berichte ich in dieser Kolumne gerne von einer Erfahrung, die ich erst vor einigen Wochen gemacht habe:

Ich bin schon lange auf der Suche nach der idealen Verpflegung während umfangreicher und intensiver Trainingseinheiten. Der Radsport ist ein perfektes Experimentierfeld dafür. Denn beim Radfahren kann man den Körper nicht austricksen. Eine Unterversorgung wirkt sich sofort und deutlich aus und hat einen schnellen Leistungsabfall zur Folge. Da die Trainingseinheiten zwischen 2 und 6 Stunden lang sind, gibt es besonders im Radsport das Phänomen des Unterzuckers, den die Radfahrer als „Hungerast“ bezeichnen. Eine Unterzuckerung kann zum Beispiel eintreten, wenn man bei langen Einheiten zu wenig zum Essen dabei hat.

Wenn man einen „Hungerast“ bekommt, hat man Heißhungerattacken von denen Rohköstler noch nicht einmal träumen können. ;-) Die Gelüste gehen von Schokolade über Kuchen bis Nudeln und Pizza. In diesen Momenten würde man fast alles essen! Und trotzdem habe ich noch keinen Radfahrer getroffen, der bei einem „Hungerast“ Lust auf Obst, Gemüse, Salat oder Wildkräuter hat. Je höher mein Rohkostanteil ist und je länger mein Rohkostversuch dauert desto seltener werden diese „Hungeräste“ – selbst dann, wenn ich zu wenig zum Essen dabei habe.

Trotzdem hat mir Obst nicht immer die notwendige Energie gegeben und ich musste relativ viel davon essen. Gemüse machte zwar die Flüssigkeitsaufnahme überflüssig, konnte aber dem Unterzucker nicht vorbeugen. Trockenfrüchte wie Datteln und Feigen kamen nur zum Schluss der Trainingseinheit in Frage, da sie sehr schnell ins Blut gehen und die Wirkung nicht nachhaltig genug war. Und wenn ich bei einem Rennen kurz vor Schluss Trockenfrüchte gegessen habe, hätte ich mich nach der Zieldurchfahrt aufgrund der starken Blutzuckerschwankung dann auch gerne am Kuchenbüffet bedient.

Als ich vor einigen Wochen in zügigen 2 Stunden und 30 Minuten in Italien von Riva auf den Monte Tremalzo gefahren bin, machte ich eine echte Ausnahmeerfahrung, dir mir vollkommen neue Möglichkeiten erschlossen hat. Ich wäre damals bereits nach zwei Drittel der Distanz am Liebsten in der nächstmöglichen Hütte eingekehrt um mir einen Teller Spaghetti zu bestellen. Da ich aber zufällig noch eine Handvoll Goji-Beeren dabei hatte, wollte ich sie zumindest noch vor der Einkehr essen. Die Wirkung der Gojis war so erstaunlich, dass ich den Hüttenbesuch komplett ausfallen lassen konnte. Sie bewirkten eine Stimulation, wie ich sie bisher noch nicht erfahren hatte. Ich hatte zwar nach wie vor ein wenig Hunger, aber die intensiven Gelüste waren fast verschwunden und ich konnte ohne Pause mit einer Art „neutralen Gelassenheit“ weiterfahren.

Am höchsten Punkt des Tremalzo angekommen war die zweite Hälfte Gojis fällig und ich begann mit der Abfahrt, die nach einer derartigen Anstrengung nicht ganz ungefährlich ist, da man sich auf den steilen und schotterigen Singletrails zwischen den Felsen und am Rand von Steilhängen stark konzentrieren muss um nicht abzustürzen. Meine Beine waren zwar müde, aber ich war die ganze Zeit voll präsent. Ich machte weder Flüchtigkeitsfehler noch hatte ich Konzentrationsprobleme. Die ganze Abfahrt war ein einziger Genuss und ich bin an diesem Tag wieder einmal die schönste Mountainbiketour meines Lebens gefahren. Im Val di Gresta angekommen hatte ich nach etwas mehr als 5 Stunden Training über 3000 Höhenmeter in den Beinen, ging unter die Dusche, zum Stretching und ohne Hunger ins Bett.

Seit dieser außergewöhnlichen Erfahrung setze ich Goji-Beeren ganz gezielt bei langen Trainingseinheiten als meine persönliche Leistungskost ein, ohne dabei zu übertreiben. Denn Goji-Beeren haben eine starke antioxidative Wirkung und ich will die Oxidation, die für mein Immunsystem wichtig ist, nicht komplett unterbinden.

Bei allen Mountainbiketouren, die länger als zwei Stunden dauern, habe ich Goji-Beeren aber auf jeden Fall als eiserne Reserve dabei. Mit Gojis in der Trikottasche habe ich das sichere Gefühl, nie „eingehen“ zu können und einen „Hungerast“ zu jedem Zeitpunkt vermeiden zu können.

Durch solche Experimente und Zufälle finde ich schrittweise zu meiner ganz persönlichen Leistungskost!

Lebe ungewöhnlich!
– Stefan
rawpower.de
blog.rawpower.de
blog.rawpower.de/newsletter

PS. Weitersagen … am 10.10. ist Weltrohkosttag: http://www.weltrohkosttag.de

Ähnliche Beiträge:


Einen Kommentar schreiben